Die Haldentour der "Haardbiker"...

Sechs Halden, 72 Kilometer und
4,5 Stunden reine Fahrzeit -

das ist das Ergebnis einer Tour durch das nördliche Ruhrgebiet. Start- und Zielpunkt dieser außergewöhnlichen Runde ist die Dreieck-Siedlung in Recklinghausen-Hochlarmark. Sie wurde zwischen 1901 und 1907 in unmittelbarer Nähe der Zeche Recklinghausen II gebaut. Der gesamte Siedlungskomplex, der bis heute erhalten ist, gruppiert sich dreiecksförmig um einen ehemals freien Platz im Zentrum. Die Dreieckssiedlung wurde in zwei Etappen errichtet. Zwischen 1901 und 1903 wurden insgesamt 63 Häuser gebaut. Ein großzügig angelegtes Haus direkt am Zechentor war für Angestellte gedacht. Aus dem Herz der Siedlung starten wir unsere Tour durch den Pantoffelpark (ehemaliges Zechengelände) auf die Halde Hoheward.

Die Halde Hoheward

im Hertener Süden an der Stadtgrenze zu Recklinghausen gelegen, bildet zusammen mit der benachbarten Halde Hoppenbruch die größte Bergehaldenlandschaft im Ruhrgebiet. Wir nutzen die gepflasterten Serpentinen zur schnellen Auffahrt. Die Halde wird noch bis etwa 2008 geschüttet, trotzdem sind große Teile schon gestaltet. Auf dem Gipfel erwartet uns eine Horizontalsonnenuhr mit einem Obelisken als Schattenwerfer. Der Obelisk steht auf dem bereits fertig gestellten Südostplateau der Halde in einer Höhe von 140 m ü.NN. Die Schattenfläche besitzt einen Durchmesser von 62 m. Weitere Infos unter Horizontastronomie. Von der Halde Hoheward fahren wir über Singletrails und eine rasante Abfahrt weiter in Richtung der ehemaligen Zeche Ewald.

Zeche Ewald

Auf dem ehemaligen Zechengelände entsteht das ‚Projekt–Ewald’. Wo ehemals mehr als 4.000 Bergleute auf einer der produktivsten Zechen des Ruhrgebiets arbeiteten, sollen in Zukunft wieder Impulse für das Ruhrgebiet gesetzt werden. Das über 50 Hektar große Gelände bietet mit seinem Flächenpotenzial, den denkmalgeschützten Gebäuden und der umliegenden größten Haldenlandschaft Europas hervorragende Voraussetzungen für die Ansiedlung von neuen Betrieben. Wir bewundern die alten Anlagen und erahnen, was hier künftig entstehen wird. Über die Baustelle der Zeche Ewald fahren wir weiter in Richtung Ewaldsee. Das im Zuge des Autobahnbaus entstandene Gewässer diente früher als Kühlwasser-Reservoir und ist heute Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Der fischreiche See erfreut sich großer Beliebtheit unter Anglern und lockt auch viele Vogelfreunde. Wir fahren weiter durch ein abwechslungsreiches Waldgebiet in Richtung Gelsenkirchen. Anschließend überqueren wir an der Münsterstraße den Kanal und fahren nach rechts in eine kleine Siedlung an deren Ende das künftige Stadtquartier Graf Bismarck entstehen wird.

Stadtquartier Graf Bismarck

Noch ist das Gelände eine 82 ha große Industriebrachfläche. Die ehemalige Zeche "Graf Bismarck" wurde bereits im Jahr 1963 geschlossen. Hier soll künftig eine "Stadt am Wasser" entstehen. Die Lage am Rhein-Herne Kanal im Norden mit dem ehemaligen Werkshafen und den Industriewaldflächen im Süden für Freizeit und Erholung machen den besonderen Reiz des Ortes aus. Wir finden hier von Enduro- und Quadfahrern ausgefahrene Pisten. Es macht Spaß, die Sprunghügel zu nutzen. Bei einer kurzen Pause am Hafenbecken sammeln wir Kräfte für die weitere Tour. Am Ende des Beckens erreichen wir den Rhein-Herne-Kanal und fahren Richtung Westen vorbei an der Kanalschleuse Gelsenkirchen und dem BP-Tanklager zum Nordsternpark.

Nordsternpark

Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern zwischen den Ortsteilen Horst und Heßler ist ein industriell geprägter Landschaftspark von überregionaler Ausstrahlung entstanden. 1993 wurde die Zeche Nordstern I/II stillgelegt und im Rahmen der Bundesgartenschau 1997 in einen Park mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten verwandelt. Charakteristisch für den Landschaftspark ist vor allem die Verbindung von ehemaligen Industriebauwerken mit einer attraktiven Parklandschaft. Wir erreichen den Park über den südlichen Leinpfad und fahren über die Doppelbogenbrücke zur "Pyramide". Die dreicksförmige kleine Halde wurde zur Aussichtsplattform umgestaltet. Von hier hat man einen hervorragenden Blick über Gelsenkirchen und Essen. Wir schauen uns ein wenig um und fahren dann weiter vorbei am Amphitheater. Es bietet Platz für 6.100 Zuschauer. Unser Weg führt weiter am Kanal entlang nach Essen. Wir überqueren die Wasserstraße und erreichen die Schurenbachhalde.

Schurenbachhalde

Die Schurenbachhalde ist im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscherpark als Landmarke gestaltet worden. Auf 65m Höhe steht seit 1998 die "Bramme (für das Ruhrgebiet)" des amerikanischen Künstlers Richard Serra. Die riesige Stahlplatte wiegt 67 Tonnen, ist 14,5 Meter hoch und 4,2 Meter breit. Sie ist um 3 Grad nach Süden geneigt. Das Haldenplateau wirkt wie eine unwirkliche Mondlandschaft. Nach der Auffahrt über den Hauptweg nutzen wir einige enge Singletrails zur Abfahrt in Richtung Kanal. Wir kehren auf die nördliche Kanalseite zurück und fahren Richtung Westen. Nach einigen Kilometern verlassen wir den Kanal um in Richtung Bottrop abzubiegen. Dort erreichen wir zunächst den Malakowturm und dann die Halde Beckstraße mit dem Tetraeder.

Malakowturm und Tetraeder

Der über 30 Meter hohe Malakowturm der ehemaligen Schachtanlage Prosper II, Schacht 2, zählt zu den wenigen noch erhaltenen gemauerten Fördertürmen im Ruhrgebiet. Das imposante Bauwerk mit seiner reich gegliederten Architektur wurde im Stil des Historismus errichtet. Die Historische Gesellschaft Bottrop e.V. hat sich die Instandsetzung und den Umbau des Malakowturmes zur Aufgabe gemacht. Beeindruckt stehen wir vor dem seit 1988 unter Denkmalschutz stehenden Bauwerk. Dann fahren wir weiter zur Halde Beckstraße. Hier wartet eine weitere Landmarke auf uns, der Tetraeder.
Das Haldenereignis Emscherblick, kurz Tetraeder in Bottrop ist ein vom Architekten Wolfgang Christ in Form einer dreiseitigen Pyramide entworfener, im Jahre 1995 erbauter und frei begehbarer Aussichtsturm auf der Halde Beckstraße. Er ist etwa 60 Meter hoch, die Halde selbst rund 90 Meter.
Die Stahlkonstruktion ruht auf vier Stahlbetonsäulen, so dass sie vom Boden abgesetzt ist und besonders nachts, wenn der Tetraeder beleuchtet wird, einen schwebenden Eindruck macht. Der Düsseldorfer Künstler Jürgen LIT Fischer hat das Beleuchtungskonzept entwickelt. Natürlich steigen wir hinauf und genießen den Ausblick, soweit es das Wetter an diesem Tag zulässt. Die Abfahrt lässt sich über einige steile Hänge abkürzen. Über städtische Straßen geht es nun weiter zum Wasserschloss Wittringen.

Wasserschloss Wittringen

Durch den Gladbecker Stadtwald erreichen wir die Freizeitstätte Wittringen. Neben dem Wasserschloß gehören ausgedehnte Grünflächen (91 ha Stadtwald), Sportanlagen und Liegewiesen zu diesem städtischen Schmuckstück. Ergänzt wird das Angebot der Freizeitstätte durch einen Grillpavillon, ein Vogelwarmhaus mit Freigehege, eine Kleingolfanlage, eine Marathon-Bahn, Sportflächen und andere Angebote für aktive und ruhende Erholung. An diesem Tag können wir die Schönheit nur begrenzt genießen, da der Regen den Aufenthalt im Freien wenig reizvoll macht. Also fahren wird durch die ländlich geprägten Flächen zwischen Gladbeck und Gelsenkirchen zur Rungenberghalde.

Rungenberghalde

Diese an der Autobahn 2 am Südrand von Buer gelegene 70 Meter hohe Landmarke ist in Form einer Doppel-Pyramide gestaltet. Zwei Scheinwerfer mit sich kreuzenden Lichtkegeln sorgen bei Dunkelheit für ein "Nachtzeichen" am Himmel und erinnern an "die Stadt der tausend Feuer", wie Gelsenkirchen früher genannt wurde. Die Auffahrt über den „Wiesenhang“ und über die Kante zu den Scheinwerfern ist schon eine echte Herausforderung. Belohnt wird man dann durch einen sagenhaften Ausblick. Freuen kann man sich auch auf die anschließende Abfahrt in Richtung Schüngelbergsiedlung. Von dort geht es über die Horster Straße und durch eine Parkanlage in das Lohmühlental. Wir kreuzen die Kurt-Schumacher-Straße, die Hauptverkehrsader in Gelsenkirchen, um den Berger See und Schloß Berge zu erreichen.

Schloß Berge

Das Schloss erhielt seine heutige Form mit dem charakteristischen Mansardendach, den spätbarocken Stilelementen und der klassizistischen Fassadengliederung im Zuge eines groß angelegten Umbaus in den Jahren 1785 bis 1788. Heute wird es als Tagungsstätte und für gastronomische Zwecke genutzt. Die beliebte Wasserburg Schloss Berge ist nach einer Renovierung 2004 wieder zu einem architektonischen Kleinod in einer idyllisch anmutenden Parklandschaft geworden. Wir genießen den umliegenden Park und fahren durch Erle und Resse zurück in den Hertener Wald, um von dort wieder eine Halde zu erreichen, die Halde Hoppenbruch.

Halde Hoppenbruch

Die Halde Hoppenbruch hat ein Volumen von 32 Millionen Tonnen und eine Höhe von 70 m. Vom Gipfel reicht der Blick weit über das mittlere Ruhrgebiet. Sehenswert ist die die 1997 errichtete Windenergieanlage mit künstlerisch gestalteten Informationen zum Thema Windenergie. Besonders interessant für uns ist aber der eingerichtete Mountainbikekurs. Hier treffen sich Mountainbiker aus dem ganzen Ruhrgebiet. Neben vielen Pfaden, die der einzelne Fahrer nach Belieben erkunden kann, ist auf der Halde eine MTB Cross Country/Freeride-Rundstrecke ausgewiesen. Die Strecke ist rund 3.500 Meter lang. Pro Runde sind auf der technisch anspruchsvollen Strecke mehr als 130 Höhenmeter zu überwinden. Free- und Dirtridern bietet die blaue Route eine der wenigen Möglichkeiten, ihrer Passion legal nachzugehen. Natürlich testen wir die Strecke und nutzen die lange Abfahrt in Richtung „blauer Brücke“ um von dort, vorbei am RZR-Herten, den Pantoffelpark zu erreichen, den wir schon zu Beginn unserer Runde durchquert haben.

Zentraler Ort im Park ist das Fördermaschinenhaus mit einem vorgelagerten, in Form eines Baumhaines angelegten Festplatz. Für uns ist allerdings der Bike & Skate Park besonders interessant. Hier gibt es ein Rollhockeyfeld, verschiedene Skate-Anlagen, ein Bike-Trial und ein als Naturbühne ausgeformtes Plateau. Der Weg zurück zum Startpunkt ist jetzt nicht mehr weit. Wir erreichen die Dreieck-Siedlung, wo der Grill im Garten schon vorgeheizt ist.